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Quelle: rbb-online.de

Hotline für Obdachlose

63. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin, 17. September 2020

Zu "24-Stunden-Hotline für Berlin: Hilfevermittlung für bedürftige Obdachlose zu jeder Tages- und Nachtzeit" (Antrag der Fraktion der CDU)

Stefanie Fuchs (LINKE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Nachdem wir gerade wieder ein Paradebeispiel der Menschenfeindlichkeit vorgeführt bekommen haben, freue ich mich, jetzt wieder zum Antrag zurückzukommen.

[Christian Buchholz (AfD): Plattitüde! –
Weitere Zurufe von der AfD]

– Möchten Sie weiter reden, oder darf ich?

[Zuruf von der AfD]

Verstehe. Ist ein Mann, was? – Heute legt uns die CDU-Fraktion einen Antrag mit dem Titel „24-Stunden-Hotline für Berlin: Hilfevermittlung für bedürftige Obdachlose zu jeder Tages- und Nachtzeit“ vor. Hört sich ohne Zweifel grundsätzlich gut an, aber es liegt auch hier wie überall im Leben der Teufel im Detail.

Fangen wir gleich mal mit den ersten Worten an: Hilfevermittlung. – Schönes Wort, aber welche Hilfe ist denn gemeint? In ihrer Begründung führt die CDU-Fraktion ja schon unterschiedliche Bereiche auf: Wohnung, ärztliche Versorgung, psychologische Versorgung, Versorgung mit Hygieneartikeln, Hilfe bei Gewalt, Hilfe bei Krankheit. – Das alles möchten Sie also in einer Hotline abdecken? Spannender Ansatz. Und da habe ich noch nicht über die Frage nach der Bekanntheit der entsprechenden Telefonnummer gesprochen oder zum Beispiel von Telefonen für obdachlose Menschen.

Schauen wir uns mal die aktuelle Situation an: Für die Unterbringung der Menschen sind in Berlin die Bezirke zuständig. Was also bedeuten würde, dass in jedem Bezirk eine solche Hotline benötigt würde, mit dann eben auch zwölf unterschiedlichen Nummern. Solch eine Hotline scheint durchaus möglich, wenn wir die gesamtstädtische Steuerung der Unterbringung ans Netz gebracht haben und von jedem Punkt in der Stadt, egal wann, über ein einheitliches System auf freie, qualitätsgesicherte Plätze zugreifen können. Dann können wir gern auch über die Einrichtung einer solchen Hotline sprechen; natürlich dann aber auch für den Bereich der Kältehilfe, der ja im Moment separat läuft. Da müssen wir uns dann tatsächlich mal darüber unterhalten, inwieweit man auch mit der App, die ja vorhanden ist, mit der Kältehilfe-Hotline und so weiter zusammenkommt.

Für gesundheitliche Notfälle gibt es übrigens sogar eine bundesweite Hotline, 24 Stunden, 365 Tage im Jahr – die 112. Und für die strafrechtlichen Dinge gibt es auch eine bundesweit einheitliche Hotline – das ist die 110. Möchten Sie das ändern? Möchten Sie da Parallelstrukturen schaffen? Oder möchten Sie im Notfall noch eine Zwischenstation einbauen, jemanden, der nicht vor Ort ist, der nicht genau weiß, was passiert ist? – Das halte ich für nicht wirklich gangbar.

Ohne Frage müssen wir uns über das weitere Verfahren, zum Beispiel die Entlassung aus dem Krankenhaus, definitiv unterhalten. Hier gibt es Nachholbedarf, und da muss sich etwas ändern.

– Keine Zwischenfragen. – Ich glaube, der Ansatz der Obdachlosen-Taskforce von Karuna, Sie haben es selber angesprochen, mit der entsprechenden Hotline muss der Weg sein, und darüber müssen wir uns unterhalten. Hier wird durch ehemalige Obdachlose persönlicher Kontakt aufgebaut, hier werden in Gesprächen Bedarfe und Bedürfnisse erfragt und entsprechende Hilfe angeboten. Hier können eigene Erfahrungen einfließen, um auch Vertrauen zu schaffen, um die Hilfsangebote wirklich anzunehmen. So weit vielleicht erst mal meine Gedanken zu diesem Antrag! Ich glaube, es gibt noch viel zu besprechen, auch auf der jetzt stattfindenden Strategiekonferenz. Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss. – Vielen Dank!


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